Zwei Wege zur CT: scannen lassen oder selbst scannen
Wer Bauteile mit industrieller Computertomographie prüfen oder vermessen will, hat zwei Möglichkeiten. Entweder schickt er die Teile zu einem CT-Dienstleister und bekommt einen Bericht, ein Volumen oder eine STL-Datei zurück. Oder er stellt eine eigene Anlage auf und scannt im Haus. Beide Wege haben ihre Berechtigung, und viele Betriebe beginnen mit dem Dienstleister, bevor sie über eine eigene CT nachdenken.
Der Dienstleister verwandelt CT in variable Kosten: Sie zahlen nur, wenn Sie scannen lassen, brauchen kein Personal, keine Anzeige bei der Behörde und keine Wartung. Dafür kommen Versand, Wartezeit und Abstimmung hinzu. Die eigene Anlage ist überwiegend Fixkosten: Anschaffung, Software, Wartung und Personal fallen an, egal ob Sie zehn oder tausend Teile im Jahr scannen. Dafür sind die Ergebnisse in Minuten statt Tagen da – und die Kosten je Scan fallen mit jeder weiteren Messung.
Dieser Ratgeber zeigt, aus welchen Bausteinen sich die Kosten zusammensetzen, welche Preise öffentlich genannt werden und wie Sie den Break-even für Ihren Fall berechnen. Alle Zahlen stammen aus den verlinkten Quellen mit Stand der jeweiligen Veröffentlichung; sie sind Orientierung, keine Angebote.
Was kostet ein CT-Scan beim Dienstleister?
Dienstleister rechnen meist nach Maschinenstunde, nach Scan oder nach Auftrag ab. Die Messtronik GmbH nennt auf ihrer Leistungsseite zur industriellen Computertomographie Stundensätze von 300 bis 500 €, die Erstellung einer STL-Datei ab 320 € und für Serien ab 1.000 Stück Kosten im einstelligen Euro-Bereich pro Teil (abgerufen Oktober 2026). Die großen Unterschiede zeigen: Der Preis hängt stark von Teilegröße, Auflösung, Auswertung und Stückzahl ab.
Ein Beispiel aus der Erstmusterprüfung beschreibt Werth Messtechnik in einem Vergleich von Multisensorik und CT in der QZ (09/2022): Für die Erstbemusterung eines Mehrkavitätenwerkzeugs werden dort 275 € pro Kavität genannt. Solche Werte gelten für den konkreten Fall, zeigen aber die Größenordnung, wenn viele Merkmale auf einmal erfasst werden.
Zum Vergleich veröffentlichen auch Forschungseinrichtungen Tarife. Das Naturhistorische Museum Wien nennt in seinem Kostenmodell für die Micro-CT 240 € pro Scan (Stand Februar 2026). Das ist kein Industrietarif und enthält keine Messauswertung, macht aber deutlich, dass der reine Scan oft nur ein Teil der Rechnung ist.
| Anbieter / Quelle | Leistung | Preis | Stand |
|---|---|---|---|
| Messtronik | Maschinenstunde | 300–500 €/h | 2026 |
| Messtronik | STL-Datei | ab 320 € | 2026 |
| Messtronik | Serie ab 1.000 Stück | einstellig € je Teil | 2026 |
| Werth, QZ 09/2022 | Erstbemusterung je Kavität | 275 € | 2022 |
| NHM Wien (Forschung) | Micro-CT-Scan | 240 € je Scan | 02/2026 |
Was im Preis des Dienstleisters nicht steht
Der Rechnungsbetrag ist beim Dienstleister nur ein Teil der Kosten. Hinzu kommen interne Aufwände, die selten erfasst werden: Anfrage formulieren, Angebot einholen, Bestellung freigeben, Teile verpacken und versenden, Ergebnisse prüfen und Rückfragen klären. Für ein einzelnes Erstmuster fällt das kaum ins Gewicht, bei wöchentlichen Aufträgen summiert es sich.
Schwerer wiegt oft die Zeit. Zwischen Versand und Bericht vergehen typischerweise Tage. Ist das Werkzeug in der Zwischenzeit angehalten, weil die Freigabe fehlt, kosten Stillstand und Warten mehr als der Scan. Bei Reklamationen oder Anläufen ist die Geschwindigkeit der Rückmeldung deshalb ein eigener Kostenfaktor, den Sie in Ihre Rechnung aufnehmen sollten.
Schließlich: Wer selten scannt, lernt wenig über die eigenen Teile. Mit einer Anlage im Haus wird CT vom Sonderfall zur Routine – Prozessänderungen lassen sich sofort prüfen, und die Zahl der gescannten Teile steigt meist deutlich, sobald die Hürde fällt.
Kosten einer eigenen industriellen CT-Anlage
ZEISS beziffert in einem Überblick zu den Kosten industrieller CT-Scanner die Spanne für neue Anlagen auf etwa 100.000 US-Dollar bis über 1 Mio. US-Dollar; gebrauchte Anlagen seien 40 bis 60 % günstiger. Die Spanne erklärt sich aus Röhrenspannung, Detektorgröße, Messvolumen, Genauigkeit, Automatisierung und Software. Eine kompakte Schrank-CT für kleine Kunststoff- und Leichtmetallteile liegt am unteren Ende, eine Hochenergie-Anlage für Zylinderköpfe im eigenen Röntgenraum am oberen.
Für die Wirtschaftlichkeit zählt nicht der Listenpreis allein, sondern die Summe über die Nutzungsdauer. Die folgende Grafik und Liste zeigen, welche Bausteine Sie einplanen sollten.
- Anschaffung: Gerät, Software-Grundpaket, Lieferung, Aufstellung, Inbetriebnahme; daraus jährliche Abschreibung und Kapitalkosten.
- Software: Auswertemodule für Porosität, Soll-Ist-Vergleich, Maße; Wartungsverträge und Updates. Bei der READY CoreX ist die Software Falcon3D im Lieferumfang, RazorCAD für Schnittmaße optional (Herstellerangabe).
- Personal: Bedienung und Auswertung, Schulung, Vertretung. Kompakte Systeme mit automatischen Abläufen brauchen weniger Spezialwissen als große Laboranlagen.
- Wartung und Verschleiß: Röntgenröhre, Filament, Detektor, Servicevertrag, Strom.
- Strahlenschutz: Anzeige bei der Behörde, Unterweisung, ggf. Prüfungen – bei einem bauartzugelassenen Vollschutzgerät überschaubar, siehe Industrie-CT und Strahlenschutz.
- Messtechnische Absicherung: Prüfkörper, Überwachung, Kalibrierung, Messunsicherheitsbestimmung bei dimensionellen Aufgaben.
- Aufstellort: Bodenlast, Stromanschluss, gegebenenfalls Klimatisierung.

Industrielle CT Kosten im Vergleich: Break-even berechnen
Ob sich eine eigene Anlage lohnt, lässt sich mit einer einfachen Rechnung abschätzen. Sie vergleichen die jährlichen Kosten beider Wege in Abhängigkeit von der Zahl der Scans. Beim Dienstleister steigen die Kosten linear: Preis je Scan mal Anzahl. Bei der eigenen Anlage starten sie mit den jährlichen Fixkosten und steigen dann nur noch um die geringen variablen Kosten je Scan. Wo sich die Linien schneiden, liegt der Break-even.
Die Formel lautet: Break-even-Scans pro Jahr = jährliche Fixkosten der eigenen Anlage ÷ (Preis je Scan beim Dienstleister − variable Kosten je Scan im Haus). Die jährlichen Fixkosten ergeben sich aus Anschaffungspreis geteilt durch die Nutzungsdauer, plus Zinsen, Software- und Servicevertrag, anteiliges Personal und Prüfmittel.
Beispielrechnung, ausdrücklich mit angenommenen Werten: Nehmen Sie an, die jährlichen Fixkosten einer kompakten Anlage betragen F €, ein Scan beim Dienstleister kostet einschließlich interner Aufwände 300 €, und im Haus fallen je Scan 30 € für Bedienzeit, Strom und Verschleiß an. Dann liegt der Break-even bei F ÷ 270 Scans pro Jahr. Setzen Sie für F Ihren eigenen Wert aus dem Angebot und der Abschreibungsdauer ein. Bei 220 Arbeitstagen entsprechen 1.000 Scans pro Jahr etwa viereinhalb Scans täglich – eine Auslastung, die eine Anlage in der Serienprüfung schnell erreicht.
Die Rechnung unterschätzt den Nutzen der eigenen Anlage eher, weil sie Zeitgewinn, vermiedene Stillstände und zusätzliche Prüfungen, die beim Dienstleister nie beauftragt würden, nicht enthält. Umgekehrt überschätzt sie ihn, wenn die Anlage am Ende nicht ausgelastet ist. Ehrlich gerechnet wird mit realistischen Stückzahlen – am besten aus den Aufträgen der letzten zwölf Monate und der geplanten Serienprüfung.

Kompakte CT in der Fertigung: was sich an der Rechnung ändert
Große Labor-CTs brauchen oft einen eigenen Raum, Fachpersonal und lange Scanzeiten. Kompakte Systeme verschieben die Rechnung: Sie stehen als Vollschutzgerät in der Halle, werden per Klappe beladen und liefern das Volumen schnell. READY nennt für die CoreX 250 ein 3D-Volumen in rund 30 Sekunden und die Möglichkeit, mehrere Teile gleichzeitig zu scannen (Herstellerangaben). Je kürzer der Zyklus, desto mehr Teile passen in eine Schicht – und desto kleiner werden die Kosten je Scan.
Der Preis dafür sind Grenzen bei Bauteilgröße und Werkstoff. Die CoreX ONE hat einen Messbereich von 143 × 143 mm, die CoreX 250 von 222 × 222 mm (Herstellerangaben); für dichte Werkstoffe wie Stahl ist die Reihe nicht ausgelegt. Welche Teile sich durchstrahlen lassen, erklärt der Ratgeber CT: welche Werkstoffe sich durchstrahlen lassen. Für sehr kleine Teile und feine Strukturen gibt es mit der CoreX Micro eine Mikrofokus-Variante.
Wichtig für die Kostenrechnung: Eine Anlage, die nur Fehler sucht – Lunker, Einschlüsse, fehlende Einleger –, braucht weniger messtechnische Absicherung als eine Anlage, die Maße gegen enge Toleranzen prüft. Planen Sie die Prüfkörper und die Überwachung nach VDI/VDE 2630 deshalb nur dort ein, wo Sie dimensionell messen.

CT oder Koordinatenmessgerät: Kosten pro Merkmal
Ein fairer Kostenvergleich betrachtet nicht nur Geräte, sondern Prüfaufgaben. Ein taktiles Koordinatenmessgerät misst wenige Merkmale sehr genau und günstig; bei Bauteilen mit vielen Merkmalen, Innenkonturen oder Hinterschnitten steigt die Programmier- und Messzeit stark. Die CT erfasst alles auf einmal, auch Innenliegendes – bei einfacheren Teilen mit wenigen engen Toleranzen ist sie dagegen oft weniger genau und nicht günstiger.
Werth zeigt im genannten QZ-Beitrag, dass die CT vor allem bei vielen Merkmalen pro Teil und bei Kunststoffteilen mit mehreren Kavitäten wirtschaftlich ist. Wie die Kosten eines KMG zustande kommen, steht im Ratgeber Koordinatenmessmaschine: Kosten; eine neutrale Entscheidungshilfe zwischen beiden Verfahren gibt der Ratgeber CT oder Koordinatenmessgerät.
Wer bereits ein KMG hat, muss nicht wechseln. Häufig ergänzt die CT das vorhandene Messgerät: Die CT für Innenleben, Porosität und Soll-Ist-Vergleich, das KMG für die engsten Toleranzen. Auch gebrauchte Koordinatenmessmaschinen sind eine Option, um den taktilen Teil günstig abzudecken.
Finanzierung, Abschreibung und Nutzen, der in keiner Rechnung steht
Eine CT-Anlage ist eine Investition wie ein Bearbeitungszentrum. Neben dem Kauf kommen Leasing oder Mietkauf infrage; dann werden aus der Anschaffung monatliche Raten, die sich direkt mit den Rechnungen des Dienstleisters vergleichen lassen. Für die Abschreibung zählt die steuerliche Nutzungsdauer, die Ihr Steuerberater festlegt; für die Investitionsrechnung sollten Sie zusätzlich realistisch schätzen, wie lange die Anlage technisch und organisatorisch genutzt wird.
Schwerer zu beziffern, aber oft entscheidend, sind Effekte außerhalb der Messabteilung. Wird ein Werkzeug nach einer Änderung in einer Stunde statt in drei Tagen freigegeben, verkürzt das den Anlauf. Findet die CT einen Lunker im Gussteil, bevor das Teil teuer bearbeitet wird, spart das Bearbeitungszeit und Ausschuss. Und wenn eine Reklamation mit einem 3D-Volumen statt mit Vermutungen beantwortet wird, verbessert das die Position gegenüber dem Kunden.
Solche Nutzen lassen sich grob schätzen: Wie viele Anläufe pro Jahr verzögern sich heute durch externe Messungen, und was kostet ein Tag Verzögerung? Wie hoch ist der Ausschuss durch innere Fehler, die erst spät entdeckt werden? Schon vorsichtige Annahmen verschieben den Break-even oft deutlich. Wichtig ist, sie getrennt von der reinen Kostenrechnung auszuweisen, damit die Entscheidung nachvollziehbar bleibt.
Umgekehrt gilt: Eine Anlage, die nach der Euphorie der ersten Wochen kaum genutzt wird, ist teuer. Klären Sie deshalb vorab, wer verantwortlich ist, welche Prüfungen fest in Prüfpläne aufgenommen werden und wie Ergebnisse in die Fertigung zurückfließen. Wo eine Messaufgabe dauerhaft bleibt, rechnet sich auch die Investition.
Mischformen: Dienstleister und eigene Anlage kombinieren
Die Entscheidung muss nicht entweder-oder ausfallen. Viele Betriebe stellen eine kompakte CT für die laufende Serienprüfung kleiner Kunststoff- und Leichtmetallteile auf und geben Sonderfälle weiter an Dienstleister: sehr große Bauteile, Stahlteile, die eine Hochenergie-Anlage brauchen, oder Messungen mit besonders niedriger Messunsicherheit. So bleibt die eigene Anlage ausgelastet, und die seltenen Aufgaben verursachen keine Fixkosten.
Umgekehrt kann ein Dienstleister helfen, den Bedarf zu ermitteln, bevor investiert wird. Wer ein halbes Jahr lang alle CT-Aufträge sammelt und auswertet, kennt danach Stückzahlen, Teilegrößen, Werkstoffe und die tatsächlich genutzten Auswertungen – die beste Grundlage für die Auswahl der passenden Anlage und für eine belastbare Break-even-Rechnung.
Checkliste für Ihre eigene Kostenrechnung
Mit diesen Fragen bereiten Sie den Vergleich vor:
- Wie viele Teile haben Sie in den letzten zwölf Monaten extern scannen lassen, und was hat das insgesamt gekostet – einschließlich Versand und interner Zeit?
- Wie viele Teile würden Sie zusätzlich prüfen, wenn das Ergebnis in Minuten vorläge (Anläufe, Prozessänderungen, Stichproben in der Serie)?
- Welche Teilegrößen und Werkstoffe kommen vor? Passen sie in das Messvolumen und die Durchstrahlbarkeit einer kompakten Anlage?
- Geht es um Fehlerprüfung oder um dimensionelles Messen mit engen Toleranzen?
- Wer bedient die Anlage, und wer vertritt diese Person?
- Welche Software-Module brauchen Sie wirklich (Porosität, Soll-Ist, Maße, Export)?
- Welche Nutzungsdauer und welcher Zinssatz gelten in Ihrer Investitionsrechnung?
Angebot und Testscan bei Kneissl Messtechnik
Wir nennen keine Pauschalpreise, weil Konfiguration und Software den Preis stark beeinflussen. Schicken Sie uns stattdessen Teile oder Zeichnungen und Ihre Stückzahlen: Wir scannen Musterteile auf einer CoreX-Anlage von READY, erstellen ein Angebot und rechnen mit Ihnen den Break-even mit echten Zahlen. Eine Übersicht über unsere Neugeräte finden Sie unter Neue Messtechnik.
Quellen
- ZEISS – How much does an industrial CT scanner cost?
- Messtronik – Industrielle Computertomographie (Leistungen und Preise)
- Werth Messtechnik – Multisensorik und CT im Vergleich, QZ 09/2022 (PDF)
- Naturhistorisches Museum Wien – Kostenmodell Micro-CT, Februar 2026 (PDF)
- Strahlenschutzgesetz § 19 – Anzeige des Betriebs einer Röntgeneinrichtung
