Kalibrierung vor Ort oder im Labor: worum es bei der Entscheidung geht
Ob eine Kalibrierung vor Ort oder im Labor die bessere Wahl ist, hängt weniger von einer grundsätzlichen Vorliebe ab als vom einzelnen Gerät. Fachlich sind beide Wege gleichwertig, wenn sie nach denselben Regeln durchgeführt werden: DIN EN ISO/IEC 17025 gilt für ein Kalibrierlaboratorium unabhängig davon, ob es in seinen eigenen Räumen arbeitet oder beim Kunden. Ein akkreditierter Kalibrierschein aus einer Vor-Ort-Kalibrierung ist deshalb kein Schein zweiter Klasse – vorausgesetzt, die Vor-Ort-Kalibrierung gehört zum akkreditierten Umfang des Labors.
Unterschiedlich sind die Rahmenbedingungen. Im Labor kontrolliert der Dienstleister Temperatur, Luftfeuchte und Schwingungen; das Gerät muss dafür aber zu ihm kommen. Vor Ort kommt der Dienstleister mit seinen Normalen zum Gerät; die Umgebung ist dann die des Kunden. Daraus ergeben sich fünf Kriterien, die dieser Ratgeber nacheinander durchgeht: Transportierbarkeit und Transportrisiko, Ausfallzeit, Umgebungsbedingungen, Messunsicherheit und Akkreditierungsumfang. Am Ende stehen Kalibrierintervall und Kosten.
Nicht Thema dieses Artikels ist der Unterschied zwischen Werkskalibrierung und DAkkS-Kalibrierung – also die Frage, wer die Kompetenz eines Labors bestätigt. Den behandelt der Ratgeber DAkkS-Kalibrierung oder Werkskalibrierung. Wie eine Kalibrierung an einer Koordinatenmessmaschine im Einzelnen abläuft, beschreibt der Ratgeber Koordinatenmessmaschine kalibrieren.
Welche Geräte lassen sich überhaupt transportieren?
Die erste Frage ist praktisch: Kann das Gerät ohne Schaden und ohne Verlust seiner Eigenschaften ins Labor und zurück? Bei kleinen, robusten Prüfmitteln ist das in der Regel unproblematisch. Endmaße, Einstellringe, Lehrdorne, Prüfkugeln oder Stufenendmaße sind gerade dafür gebaut, als Normal transportiert und im Labor gegen ein übergeordnetes Normal verglichen zu werden. Solche Maßverkörperungen werden üblicherweise im Labor kalibriert, weil dort die Vergleichseinrichtungen stehen, die sich nicht sinnvoll zum Kunden bringen lassen.
Anders sieht es bei aufgestellten Messgeräten aus. Eine Koordinatenmessmaschine mit Granittisch und Luftlagern wird auf ihrem Aufstellort ausgerichtet; ihre Geometriefehler werden anschließend vom Hersteller oder Servicetechniker vermessen und in der Steuerung kompensiert. Ein Transport hebt diesen Zustand auf. Deshalb wird ein KMG nach einem Umzug neu eingerichtet und neu kalibriert – Zeiss etwa beschreibt die Vor-Ort-Kalibrierung ausdrücklich als Schritt nach Transport, Montage und Justage beim Kunden. Ein KMG zur Kalibrierung ins Labor zu schicken, ist deshalb keine realistische Option.
Dazwischen liegen Tischgeräte wie Profilprojektoren, Messmikroskope, Videomessmaschinen oder Höhenmessgeräte. Sie lassen sich transportieren, sind aber empfindlich: Objektive, Beleuchtung, Glasmaßstäbe und Kreuztische vertragen Stöße schlecht, und auch diese Geräte werden nach dem Aufstellen ausgerichtet. Hier entscheidet meist nicht die technische Machbarkeit, sondern der Aufwand für Verpackung, Spedition, Ausfallzeit und Wiederinbetriebnahme.

| Gerät | Transport | Üblicher Kalibrierort | Ausschlaggebend |
|---|---|---|---|
| Endmaße, Einstellringe, Lehrdorne, Prüfkugeln, Stufenendmaße | Unkritisch, in Schutzkoffer | Labor | Vergleichseinrichtungen und Klima des Labors; Normal ist für den Versand gebaut |
| Koordinatenmessmaschine (Portal, Gantry, Ausleger) | Nur als Umzug mit Neueinrichtung | Vor Ort | Ausrichtung und Fehlerkompensation am Aufstellort; Gewicht und Fundament |
| Profilprojektor, Messmikroskop | Möglich, aber stoßempfindlich | Meist vor Ort | Optik, Glasmaßstäbe und Ausrichtung; Ausfallzeit |
| Video- und Multisensor-Messmaschine | Möglich bei Tischgeräten, aufwendig bei größeren | Meist vor Ort | Kalibrierung jedes Sensors und ihres Zusammenspiels im eingebauten Zustand |
| Höhenmessgerät, Wellenmessgerät | Möglich | Vor Ort oder Labor | Anzahl der Geräte, Ausfallzeit, Umgebung am Einsatzort |
Transportrisiko: was unterwegs passieren kann
Jeder Transport ist eine Belastung: Stöße, Vibrationen, Temperaturwechsel und Feuchte wirken auf ein Gerät, das für einen festen Platz gebaut wurde. Die Leitlinie ILAC-G24 / OIML D 10 zur Festlegung von Kalibrierintervallen nennt die Transportbedingungen eines Messmittels und die damit verbundenen Risiken ausdrücklich als einen der Faktoren, die bei der Intervallwahl zu berücksichtigen sind. Transport ist also nicht nur eine Frage der Logistik, sondern beeinflusst, wie lange einem Kalibrierergebnis vertraut werden kann.
Ein Punkt wird dabei oft übersehen: Die Messunsicherheit im Kalibrierschein deckt den Rücktransport nicht ab. Die ILAC-Richtlinie P14 zur Messunsicherheit bei Kalibrierungen hält fest, dass Beiträge, die das Labor nicht kennen kann – genannt werden ausdrücklich Transportunsicherheiten –, normalerweise nicht in die angegebene Unsicherheit eingehen. Erwartet das Labor einen erheblichen Einfluss, soll es den Kunden im Rahmen der Angebots- und Vertragsprüfung darauf hinweisen. Der Schein bescheinigt also den Zustand im Labor. Ob das Gerät nach der Rückkehr noch in diesem Zustand ist, muss der Betreiber selbst absichern.
Bei der Laborkalibrierung gehört deshalb eine Prüfung nach dem Wiedereinbau dazu: eine kurze Zwischenprüfung mit einem eigenen Prüfkörper, bevor das Gerät wieder für die Freigabe von Teilen genutzt wird. Bei der Vor-Ort-Kalibrierung entfällt dieses Risiko für das Prüfmittel. Transportiert werden dann die Normale des Dienstleisters – für deren Eignung und Funktionsfähigkeit ist nach DAkkS-Regel das Kalibrierlaboratorium verantwortlich, nicht der Kunde.
Ausfallzeit und Logistik
Bei einer Laborkalibrierung ist das Prüfmittel vom Ausbau bis zur Wiederinbetriebnahme nicht verfügbar. Zur eigentlichen Kalibrierzeit kommen Verpackung, Versand, Wartezeit im Labor, Akklimatisierung, Rückversand und Wiederaufbau. Wie lange das insgesamt dauert, hängt vom Labor und seiner Auslastung ab; verlässliche Durchschnittswerte gibt es nicht. Für Prüfmittel, die in der Serienprüfung gebraucht werden, heißt das: Entweder steht ein Ersatzgerät bereit, oder die Prüfung muss in dieser Zeit anders abgesichert werden.
Vor Ort reduziert sich die Ausfallzeit auf den Termin selbst. Der lässt sich in Zeiten legen, in denen das Gerät ohnehin weniger gebraucht wird, und mehrere Geräte eines Standorts können an einem Termin kalibriert werden. Dafür muss der Betreiber den Termin vorbereiten: Gerät zugänglich und im üblichen Betriebszustand, Klimatisierung im Normalbetrieb, ein Ansprechpartner vor Ort.
Für Laborkalibrierungen gibt es eine Zwischenform: Kleine Maßverkörperungen werden gesammelt verschickt, während die großen Geräte vor Ort kalibriert werden. In vielen Betrieben ist genau diese Aufteilung der praktikable Weg – die Normale reisen, die Messmaschinen bleiben stehen.
Temperatur und Umgebung: 20 °C nach ISO 1
Geometrische Maße sind auf eine Bezugstemperatur bezogen. DIN EN ISO 1 (aktuelle Ausgabe 2022) legt sie auf 20 °C fest. Ein Endmaß ist also bei 20 °C so lang, wie sein Kalibrierschein angibt; bei jeder anderen Temperatur ist es länger oder kürzer. Ein Rechenbeispiel mit einem für Stahl typischen Ausdehnungskoeffizienten von rund 11,5 · 10⁻⁶ pro Kelvin: Ein 100 mm langes Stahlteil wird bei 1 K Abweichung um etwa 1,2 µm länger. Bei Maschinen mit Glas- oder Stahlmaßstäben und Werkstücken aus Aluminium kommen unterschiedliche Ausdehnungen hinzu. Welche systematischen Fehler und Unsicherheitsbeiträge thermische Einflüsse verursachen, behandelt das Beiblatt 1 zu DIN EN ISO 1.
Ein Kalibrierlabor kann seine Räume nahe 20 °C halten und die Temperaturschwankung eng begrenzen. Welche Klassen von Messräumen es gibt und welche Kenngrößen – Temperatur, zeitliche und räumliche Gradienten, Luftfeuchte, Luftgeschwindigkeit, Schwingungen – sie beschreiben, regelt die Richtlinie VDI/VDE 2627 Blatt 1. Vor Ort ist die Umgebung dagegen die des Kunden: im besten Fall ein klimatisierter Messraum, oft aber ein fertigungsnaher Platz.
Für ein KMG ist das kein Nachteil, sondern der Normalfall. Die Herstellerangaben gelten ohnehin nur in einem festgelegten Umgebungsbereich. Mitutoyo etwa gibt für die CRYSTA-KM 565 einen zulässigen Temperaturbereich von 18 bis 22 °C und einen zeitlichen Gradienten von 0,5 K pro Stunde und 2 K in 24 Stunden an; die Längenmessabweichung E0,MPE gilt in diesem Bereich. Eine Vor-Ort-Kalibrierung prüft also, ob die Maschine dort, wo sie misst, und unter den dort herrschenden Bedingungen ihre Spezifikation einhält. Genau das will der Betreiber wissen.
DIN EN ISO/IEC 17025 verlangt, dass das Labor die Umgebungsbedingungen überwacht und aufzeichnet, wo sie das Ergebnis beeinflussen – auch wenn es in Einrichtungen außerhalb seiner ständigen Kontrolle arbeitet. Die gemessenen Bedingungen stehen im Kalibrierschein und gehen in die Messunsicherheit ein. Liegen sie außerhalb dessen, was das Verfahren zulässt, wird die Kalibrierung verschoben oder nur eingeschränkt durchgeführt. Wie Sie den Messraum am Termin vorbereiten, beschreibt der Ratgeber Koordinatenmessmaschine kalibrieren.
Messunsicherheit: Ist das Labor genauer?
Für Maßverkörperungen lautet die Antwort in der Regel ja. Ein Endmaß oder Einstellring lässt sich im Labor mit Vergleichseinrichtungen und unter stabilen Bedingungen mit einer kleineren Unsicherheit kalibrieren, als das in einer Werkhalle möglich wäre. Für diese Prüfmittel ist das Labor deshalb der übliche Ort.
Bei aufgestellten Messgeräten ist die Frage falsch gestellt. Kalibriert wird hier nicht ein isoliertes Bauteil, sondern das Messsystem einschließlich seiner Ausrichtung und Kompensation. Eine Laborkalibrierung würde eine Maschine beschreiben, die nach dem Rücktransport so nicht mehr existiert. Die Vor-Ort-Kalibrierung liefert dagegen die Messunsicherheit für das System, mit dem tatsächlich gemessen wird.
Zum Lesen eines Scheins hilft eine Unterscheidung aus ILAC P14: Die in der Akkreditierungsanlage genannte CMC (Calibration and Measurement Capability) ist die kleinste Unsicherheit, die das Labor unter normalen Bedingungen mit dem bestmöglichen Prüfling erreichen kann. Im Schein wird die Unsicherheit für Ihr konkretes Gerät angegeben, einschließlich kurzzeitiger Einflüsse während der Kalibrierung und der Beiträge des Prüflings selbst. Sie ist deshalb in der Regel größer als die CMC. Das gilt im Labor wie vor Ort.
Wird mit dem Ergebnis eine Konformitätsaussage gegenüber der Herstellerspezifikation getroffen, geht die Unsicherheit über Entscheidungsregeln nach DIN EN ISO 14253-1 in die Bewertung ein. Wie die Messunsicherheit grundsätzlich ermittelt wird, regeln der GUM (JCGM 100) und für akkreditierte Kalibrierlabore in Europa das Dokument EA-4/02.

Was die DAkkS für akkreditierte Vor-Ort-Kalibrierungen verlangt
Eine akkreditierte Kalibrierung vor Ort ist nur dann akkreditiert, wenn die Vor-Ort-Kalibrierung zum Umfang des Labors gehört. Das steht in der Anlage zur Akkreditierungsurkunde: Dort sind Messgrößen, Messbereiche und CMC aufgeführt, und Vor-Ort-Tätigkeiten werden eigens gekennzeichnet – entweder als „auch Vor-Ort-Kalibrierung“ oder als „nur Vor-Ort-Kalibrierung“. Ob ein Labor im Labor, vor Ort oder an beiden Orten akkreditiert ist, lässt sich in der öffentlichen Datenbank akkreditierter Stellen der DAkkS nachprüfen.
Die Regel R-17025-K der DAkkS für Kalibrierlaboratorien stellt dazu keine neuen Anforderungen über DIN EN ISO/IEC 17025 hinaus, konkretisiert aber, wie sie umgesetzt werden. Schon im Akkreditierungsantrag muss das Labor angeben, ob und welche Kalibrierungen es außerhalb seiner Standorte durchführt. Vor-Ort-Tätigkeiten werden in die Begutachtung einbezogen; das Labor muss der DAkkS auf Anfrage geplante Einsätze nennen, damit Begutachter sie begleiten können (Witnessing). Und es muss Eignung, Funktion, Wartung und Kalibrierung aller verwendeten Einrichtungen nachweisen – eine Verantwortung, die nach der Regel nicht an den Eigner der Einrichtung delegiert werden kann.
DIN EN ISO/IEC 17025 selbst verlangt, dass die Anforderungen an Räumlichkeiten und Umgebungsbedingungen auch dann erfüllt werden, wenn das Labor an Orten außerhalb seiner ständigen Kontrolle arbeitet, und dass der Bericht den Ort der Kalibrierung nennt. Für das Kalibrierverfahren selbst verweisen Akkreditierungsanlagen für Koordinatenmessgeräte häufig auf die Richtlinie DKD-R 4-3 Blatt 18.1 der PTB sowie auf DIN EN ISO 10360 und VDI/VDE 2617.
Bei Koordinatenmessgeräten ist die Vor-Ort-Kalibrierung der Regelfall, auch bei Herstellern: Die Akkreditierungsanlagen etwa von Werth Messtechnik, WENZEL Metrology und DK-3D Messtechnik führen Koordinatenmessgeräte jeweils mit dem Zusatz „nur Vor-Ort-Kalibrierung“. Das gilt ebenso für Kneissl Messtechnik: Die seit 27.04.2026 gültige Anlage D-K-15098-01-01 umfasst Koordinatenmessgeräte mit optischer Antastung (Messprojektoren und Messmikroskope) bis 600 mm Raumdiagonale und mit taktiler Antastung bis 939 mm Raumdiagonale, ausschließlich als Vor-Ort-Kalibrierung. Urkunde und Umfang finden Sie auf der Seite Akkreditierung.
Ein Hinweis zum Kalibrierschein: Das DAkkS-Akkreditierungssymbol und die ILAC-MRA-Kennzeichnung stehen auf dem Schein selbst und weisen ihn als akkreditierte Kalibrierung aus. Über das ILAC-MRA wird ein solcher Schein auch international anerkannt. Ob es eine Vor-Ort- oder Laborkalibrierung war, ändert an dieser Anerkennung nichts, solange der Ort im akkreditierten Umfang liegt.
Vor-Ort- und Laborkalibrierung im direkten Vergleich
Die folgende Übersicht fasst die Kriterien zusammen. Sie ersetzt nicht die Prüfung im Einzelfall, zeigt aber, wo die Stärken der beiden Wege liegen.
| Kriterium | Vor Ort | Im Labor |
|---|---|---|
| Geeignete Geräte | Aufgestellte Messgeräte: KMG, Profilprojektoren, Messmikroskope, Video- und Multisensor-Messmaschinen | Maßverkörperungen und kleine, transportfähige Prüfmittel |
| Transportrisiko | Für das Prüfmittel keines; Normale reisen in der Verantwortung des Labors | Hin- und Rücktransport; nicht in der Messunsicherheit des Scheins enthalten |
| Ausfallzeit | Dauer des Termins | Vom Ausbau bis zur Wiederinbetriebnahme, einschließlich Versand und Wartezeit |
| Umgebung | Bedingungen des Kunden, im Schein dokumentiert | Kontrollierte Bedingungen des Labors |
| Aussagekraft | Gerät in seiner Einbausituation und Einsatzumgebung | Gerät unter Laborbedingungen; Zustand nach Rücktransport nicht erfasst |
| Messunsicherheit | Abhängig von der Umgebung vor Ort; enthält die Einbausituation | Bei Maßverkörperungen meist kleiner |
| Akkreditierung | Nur, wenn die Anlage Vor-Ort-Kalibrierung ausweist | Nur, wenn die Anlage den Messbereich im Labor ausweist |
| Kostentreiber | Anfahrt und Einsatzzeit; günstiger je Gerät, wenn mehrere Geräte an einem Termin | Verpackung, Versand, Ersatzgerät oder Produktionsausfall, Wiederinbetriebnahme |
Kalibrierintervall: Welche Rolle spielt der Kalibrierort?
Das Kalibrierintervall legt der Betreiber fest, nicht das Labor; DIN EN ISO/IEC 17025 erlaubt eine Intervallempfehlung im Schein nur, wenn sie mit dem Kunden vereinbart ist. Für die Begründung ist die Leitlinie ILAC-G24 / OIML D 10 die übliche Grundlage. Zu ihren Kriterien für das erste Intervall gehören unter anderem die geforderte Messunsicherheit, Verschleiß und Drift, Nutzungsintensität, Umgebungsbedingungen, Ergebnisse von Zwischenprüfungen und – wie oben erwähnt – Transport und die damit verbundenen Risiken.
Daraus folgt: Ein Prüfmittel, das regelmäßig verschickt wird, hat einen zusätzlichen Risikofaktor, den ein vor Ort kalibriertes Gerät nicht hat. Umgekehrt gilt für ein KMG in einer fertigungsnahen Umgebung, dass schwankende Bedingungen eher für kürzere Intervalle oder häufigere Zwischenprüfungen sprechen. Wie Sie das Intervall anhand der Kalibrierhistorie anpassen, beschreibt der Ratgeber DAkkS-Kalibrierung oder Werkskalibrierung.
Unabhängig vom Turnus ist eine zusätzliche Kalibrierung nach einer Kollision, nach einem Umzug oder bei auffälligen Ergebnissen von Zwischenprüfungen angebracht. Bei einem KMG ist der Umzug der häufigste Anlass: Nach Neuaufstellung und Einrichtung gehört eine Kalibrierung am neuen Aufstellort dazu.
Kosten: Was bei beiden Wegen anfällt
Pauschale Preisvergleiche zwischen Vor-Ort- und Laborkalibrierung führen in die Irre, weil sich die Kosten unterschiedlich zusammensetzen. Belastbare Durchschnittspreise gibt es nicht; vergleichen Sie deshalb die Gesamtkosten für Ihren Prüfmittelbestand.
Bei der Laborkalibrierung stehen dem Kalibrierpreis Kosten gegenüber, die nicht auf der Rechnung des Labors erscheinen: Verpackung und Versand in beide Richtungen, gegebenenfalls Transportversicherung, Aus- und Wiedereinbau, die Zwischenprüfung nach der Rückkehr und vor allem die Zeit, in der das Prüfmittel fehlt – mit Ersatzgerät, verschobenen Prüfungen oder Produktionsausfall.
Bei der Vor-Ort-Kalibrierung kommen zum Kalibrieraufwand Anfahrt und Einsatzzeit des Technikers hinzu. Dieser Anteil verteilt sich auf alle Geräte, die an einem Termin kalibriert werden; mehrere Geräte an einem Standort senken die Kosten je Gerät deutlich. Auf Ihrer Seite entsteht Aufwand für die Vorbereitung des Termins und die kurze Zeit, in der das Gerät kalibriert wird.
Für einen Kostenvergleich lohnt deshalb eine Bestandsaufnahme: Welche Geräte stehen an welchem Standort, welche lassen sich gefahrlos verschicken, welche Ausfallzeit ist für welches Gerät tragbar? Bei Maßverkörperungen gewinnt meist das Labor, bei aufgestellten Messgeräten meist der Termin vor Ort.
Entscheidungshilfe: fünf Fragen vor der nächsten Kalibrierung
Mit diesen Fragen lässt sich für jedes Prüfmittel klären, welcher Weg passt:
- Ist das Gerät aufgestellt und ausgerichtet (KMG, Profilprojektor, Messmikroskop, Videomessmaschine)? Dann ist die Vor-Ort-Kalibrierung in aller Regel die richtige Wahl.
- Handelt es sich um eine Maßverkörperung wie Endmaß, Einstellring oder Prüfkugel? Dann gehört es ins Labor.
- Wie lange kann das Gerät fehlen, und gibt es Ersatz? Je kürzer die tragbare Ausfallzeit, desto eher vor Ort.
- Welche Umgebungsbedingungen herrschen am Aufstellort, und gelten dort die Herstellerangaben? Das sollte vor dem Termin geklärt sein.
- Deckt die Akkreditierungsanlage des Labors Gerätetyp, Messbereich und Kalibrierort ab? Prüfen Sie das in der DAkkS-Datenbank oder lassen Sie es sich vor der Beauftragung bestätigen.
| Ausgangslage | Passender Weg | Ausschlaggebend |
|---|---|---|
| KMG oder Multisensor-Messmaschine, fest aufgestellt | Vor Ort | Kein Transport ohne Demontage; Kalibrierung in der Einbausituation |
| Mehrere Profilprojektoren, Messmikroskope oder Videomessgeräte an einem Standort | Vor Ort | Ein Termin für alle Geräte, keine Ausfallzeit durch Versand |
| Endmaße, Einstellringe, Prüfkugeln, Glasmaßstäbe | Labor | Kleinste Messunsicherheit unter kontrollierten Bedingungen; Transport unkritisch |
| Einzelnes kleines Prüfmittel, Ersatzgerät vorhanden | Labor | Ausfallzeit überbrückbar, Anfahrt lohnt für ein Gerät meist nicht |
| Toleranzen so eng, dass die Umgebung vor Ort die Unsicherheit dominiert | Labor, sofern das Gerät transportfähig ist | Klimabedingungen des Labors; bei aufgestellten Geräten stattdessen Messraum verbessern |
| Gerät nach Umzug oder Neuaufstellung | Vor Ort | Nur die Kalibrierung am neuen Aufstellort beschreibt das Gerät, wie es misst |
Wann das Labor die bessere Wahl ist
Vor-Ort-Kalibrierung ist kein Selbstzweck. Für Maßverkörperungen wie Endmaße, Einstellringe, Lehrdorne oder Prüfkugeln ist das Labor in aller Regel der richtige Ort: Diese Normale sind robust verpackbar, und unter den stabilen Bedingungen eines Kalibrierlabors lassen sich die kleinsten Messunsicherheiten erreichen. Dasselbe gilt für Prüfkörper, mit denen Sie Ihr KMG zwischen zwei Kalibrierungen selbst überwachen – wie das geht, beschreibt der Ratgeber KMG-Kalibrierintervall und Zwischenprüfung.
Auch ein einzelnes, kleines Prüfmittel, für das ein Ersatzgerät bereitsteht, ist im Labor meist günstiger aufgehoben als bei einem eigenen Vor-Ort-Termin. Und wenn ein Gerät justiert, repariert oder mit neuer Firmware versehen werden muss, ist oft der Herstellerservice der richtige Ansprechpartner – die Abwägung zeigt der Ratgeber Herstellerservice oder unabhängiges Kalibrierlabor.
Vor-Ort-Kalibrierung bei Kneissl Messtechnik
Kneissl Messtechnik kalibriert DAkkS-akkreditiert ausschließlich vor Ort – ohne Transport und ohne Aus- und Einbau. Eine Übersicht aller Gerätetypen bietet die Seite Vor-Ort-Kalibrierung. Für die einzelnen Gerätearten gibt es eigene Seiten: Koordinatenmessmaschinen, 3D optische Messmaschinen, Videomessmaschinen, Profilprojektoren, Höhenmessgeräte und Wellenmessgeräte.
Herstellerbezogene Informationen finden Sie auf den Seiten zur Mitutoyo-Kalibrierung, Nikon-Kalibrierung, Keyence-Kalibrierung und Werth-Kalibrierung. Ob Ihr Gerät nach Bauart und Messbereich im akkreditierten Umfang liegt, klären wir vor dem Termin; mehrere Geräte eines Standorts legen wir auf einen Termin. Ihre Anfrage erreicht uns über das Kontaktformular.
Quellen
- DAkkS: Anlage zur Akkreditierungsurkunde D-K-15098-01-01 (Kneissl Messtechnik GmbH)
- DAkkS: Anlage zur Akkreditierungsurkunde D-K-15006-01-00 (Werth Messtechnik GmbH)
- DAkkS: Anlage zur Akkreditierungsurkunde D-K-17723-01-00 (WENZEL Metrology GmbH)
- DAkkS: Anlage zur Akkreditierungsurkunde D-K-20686-01-00 (DK-3D Messtechnik GmbH)
- DAkkS: Regel R-17025-K für Kalibrierlaboratorien
- DAkkS: Prüf- und Kalibrierlabore nach DIN EN ISO/IEC 17025
- DAkkS: Datenbank akkreditierter Stellen
- DAkkS: Metrologie
- DAkkS: Neue Rückführungspolitik der DAkkS – Fragen aus der Praxis
- DAkkS: Was ist Akkreditierung?
- ILAC: P14:09/2020 Policy for Measurement Uncertainty in Calibration (Kopie bei IAS)
- ILAC: ILAC MRA and Signatories
- OIML / ILAC: D 10 / ILAC-G24 Guidelines for the determination of calibration intervals (2022)
- DIN Media: DIN EN ISO/IEC 17025:2018-03 Allgemeine Anforderungen an die Kompetenz von Prüf- und Kalibrierlaboratorien
- DIN Media: DIN EN ISO 1:2022-10 Standardreferenztemperatur für die geometrische Produktspezifikation
- DIN Media: DIN EN ISO 1 Beiblatt 1 – Thermische Einflüsse auf die Längenmessung
- DIN: Inhaltsverzeichnis DIN EN ISO 1
- iTeh Standards: ISO 1:2022 Leseprobe
- INRiM: Revision of ISO 1 – reference temperature 20 °C on ITS-90
- DIN Media: DIN EN ISO 10360-2:2010-06 Annahme- und Bestätigungsprüfung für KMG, Längenmessung
- DIN Media: DIN EN ISO 10360-5 Antastsysteme von KMG
- DIN Media: ISO 10360-5:2020
- DIN Media: DIN EN ISO 14253-1:2018-07 Entscheidungsregeln für den Nachweis von Konformität
- DIN Media: VDI/VDE 2617 Blatt 2.1 Leitfaden zur Anwendung von DIN EN ISO 10360-2
- VDI: VDI/VDE 2617 Blatt 6 – KMG mit optischer Antastung
- Beuth: VDI/VDE 2617 Blatt 6.1 – KMG mit optischen Sensoren für laterale Strukturen
- VDI: VDI/VDE 2627 Blatt 1 Messräume – Klassifizierung und Kenngrößen
- DIN Media: VDI/VDE 2627 Blatt 1 Messräume
- PTB: DKD-R 4-3 Blatt 18.1 Kalibrieren von Koordinatenmessgeräten (2018)
- PTB: Deutscher Kalibrierdienst (DKD)
- PTB: Fachbereich 5.3 Koordinatenmesstechnik
- BIPM: JCGM-Publikationen (GUM, VIM)
- European Accreditation: EA-4/02 M Evaluation of the Uncertainty of Measurement in Calibration
- EURAMET: Calibration Guidelines
- ACCREDIA: RT-36 Requirements for accreditation of calibration laboratories (rev. 2)
- IATF Global Oversight: IATF 16949
- ZEISS: Calibrations in metrology (Vor-Ort- und Laborkalibrierung)
- ZEISS Quality Forum: Fachbeitrag zur Prüfung von Koordinatenmessgeräten
- Werth Messtechnik: Newsletter 04/2024 – DAkkS-Kalibrierung im Service-Außendienst
- Mitutoyo: Datenblatt Koordinatenmessgerät CRYSTA-KM 565 (Umgebungsbedingungen)
- SIQ: Accredited on-site calibration
- Vaisala: Einpunktkalibrierung vor Ort – die schnelle und einfache Option
- Rohde & Schwarz: Kalibrierung vor Ort
