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Kalibrierung

DAkkS-Kalibrierung oder Werkskalibrierung? Unterschiede und wann was genügt

Beide heißen Kalibrierung, beide enden mit einem Schein — und trotzdem akzeptiert ein Auditor nicht jeden. Dieser Ratgeber erklärt für Qualitätsmanager und Prüfmittelbeauftragte, worin sich Werkskalibrierung und DAkkS-Kalibrierung unterscheiden, wann welche genügt, was ISO 9001 und IATF 16949 an die Prüfmittelüberwachung stellen und wie man das Kalibrierintervall begründet festlegt.

Kneissl Messtechnik GmbH · Stand 24.10.2026

Zwei Begriffe, ein Unterschied: wer die Kompetenz bestätigt

Technisch ist eine Kalibrierung immer dasselbe: Die Anzeige eines Messgeräts wird mit einem Normal bekannter Größe verglichen, und die Abweichung wird dokumentiert. Der Unterschied zwischen Werkskalibrierung und DAkkS-Kalibrierung liegt nicht im Grundprinzip, sondern darin, wer bestätigt, dass das Labor dabei kompetent arbeitet und seine Normale korrekt rückgeführt sind.

Eine DAkkS-Kalibrierung führt ein Labor durch, das von der Deutschen Akkreditierungsstelle (DAkkS) nach DIN EN ISO/IEC 17025 akkreditiert ist — und zwar für genau die kalibrierte Messgröße und den Messbereich. Die DAkkS ist die nationale Akkreditierungsstelle Deutschlands; sie begutachtet Personal, Verfahren, Normale und Messunsicherheitsbudgets und überwacht das Labor fortlaufend.

Eine Werkskalibrierung führt der Hersteller oder ein Dienstleister nach eigenen Verfahren durch, ohne dass eine Akkreditierungsstelle diese Verfahren für die betreffende Messgröße bestätigt hat. Das sagt nichts Negatives über die Qualität der einzelnen Messung — aber die Kompetenz ist nicht von unabhängiger Stelle nachgewiesen. Auch ein akkreditiertes Labor stellt für Messgrößen außerhalb seines Akkreditierungsumfangs nur Werkskalibrierscheine aus.

Werkskalibrierung und DAkkS-Kalibrierung im Vergleich

Die wesentlichen Unterschiede auf einen Blick. Entscheidend für die Praxis sind die Zeilen Rückführung und Messunsicherheit: Sie bestimmen, ob ein Schein im Audit ohne Rückfrage hält.

Werkskalibrierung und DAkkS-Kalibrierung im Vergleich
MerkmalWerkskalibrierungDAkkS-Kalibrierung
KompetenznachweisEigenerklärung des AusstellersAkkreditierung nach DIN EN ISO/IEC 17025, durch die DAkkS begutachtet und überwacht
GeltungsbereichVom Aussteller selbst festgelegtNur für Messgrößen und Bereiche in der Anlage zur Akkreditierungsurkunde
RückführungVom Aussteller angegeben, nicht von unabhängiger Stelle bestätigtAuf nationale Normale, von der DAkkS bestätigt
MessunsicherheitNicht verbindlich vorgeschrieben, Umfang je nach AusstellerPflichtangabe für jedes Messergebnis, nach anerkannten Verfahren ermittelt
Kennzeichnung des ScheinsLogo und Angaben des AusstellersDAkkS-Akkreditierungssymbol mit Registrierungsnummer des Labors
Internationale AnerkennungKeine geregelte AnerkennungÜber das ILAC-MRA in den Unterzeichnerstaaten anerkannt
Typischer EinsatzUnkritische Prüfmittel, Inbetriebnahme, interne VergleicheProduktrelevante Prüfmittel, Bezugsnormale, Audit- und Kundennachweise

Rückführung und Messunsicherheit: worauf es im Schein ankommt

Rückführung bedeutet, dass ein Messergebnis über eine lückenlose Kette von Kalibrierungen mit einem nationalen Normal verbunden ist — in Deutschland mit den Normalen der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB). Jedes Glied dieser Kette trägt eine Messunsicherheit bei. Ohne Messunsicherheit ist eine Rückführung deshalb nicht vollständig: Man weiß dann zwar, welcher Wert gemessen wurde, aber nicht, wie gut man ihm trauen kann.

Bei einer DAkkS-Kalibrierung ist beides geregelt: Die Rückführung der Normale ist Teil der Begutachtung, und jedes Ergebnis steht mit seiner Messunsicherheit im Schein. Die kleinste Messunsicherheit, die ein Labor angeben darf, ist in seiner Anlage zur Akkreditierungsurkunde festgeschrieben. Bei einer Werkskalibrierung sollten Sie prüfen, ob der Schein überhaupt eine Messunsicherheit nennt und wie die Rückführung belegt wird.

Erst mit der Messunsicherheit lässt sich auch eine belastbare Konformitätsaussage treffen: Ob ein Messgerät seine Spezifikation einhält, wird nach ISO 14253-1 unter Berücksichtigung der Unsicherheit entschieden. Ein Wert knapp an der Grenze ist ohne sie nicht bewertbar.

DKD-Kalibrierung: was aus dem Begriff geworden ist

Viele Prüfmittelkarteien und Zeichnungen verlangen noch eine „DKD-Kalibrierung“. Bis 2009 hat der Deutsche Kalibrierdienst (DKD) Kalibrierlaboratorien selbst akkreditiert. Seit 2010 darf es nach der EU-Verordnung 765/2008 in jedem Mitgliedstaat nur noch eine nationale Akkreditierungsstelle geben; in Deutschland ist das die DAkkS. Die Akkreditierungen des DKD gingen auf sie über.

Den DKD gibt es weiterhin — als Fachgremium der PTB und der akkreditierten Laboratorien, das technische Richtlinien erarbeitet. Eine davon, die DKD-R 4-3, ist zum Beispiel die Grundlage für die Kalibrierung von Profilprojektoren und Messmikroskopen. Wer heute eine „DKD-Kalibrierung“ fordert, meint in aller Regel eine akkreditierte Kalibrierung mit DAkkS-Schein.

Wann genügt eine Werkskalibrierung, wann braucht es DAkkS?

Eine pauschale Regel gibt es nicht; die Entscheidung gehört in die Prüfmittelplanung und sollte dort begründet sein. Als Orientierung:

  • Werkskalibrierung kann genügen bei Prüfmitteln ohne direkten Einfluss auf die Produktfreigabe, für Orientierungsmessungen, als Nachweis bei Auslieferung oder Inbetriebnahme und wenn weder Norm noch Kunde eine akkreditierte Kalibrierung verlangen.
  • Eine DAkkS-Kalibrierung ist angezeigt, wenn mit dem Prüfmittel Produkte freigegeben werden, wenn es als Bezugsnormal für eigene Kalibrierungen dient, wenn der Kunde oder ein Regelwerk wie IATF 16949 ein akkreditiertes Labor verlangt und wenn Ergebnisse international anerkannt werden müssen.
  • Im Zweifel entscheidet die Kundenanforderung: Viele Lieferantenvereinbarungen schreiben akkreditierte Kalibrierungen ausdrücklich vor. Ein Blick in die Qualitätssicherungsvereinbarung erspart Diskussionen im Audit.

Was ISO 9001 und IATF 16949 an die Prüfmittelüberwachung stellen

ISO 9001 verlangt in Abschnitt 7.1.5, dass Messmittel für ihren Zweck geeignet sind und erhalten werden. Wo Rückführbarkeit gefordert ist oder für das Vertrauen in die Ergebnisse wesentlich ist, müssen Messmittel in festgelegten Abständen oder vor dem Gebrauch gegen Normale kalibriert oder verifiziert werden, die auf internationale oder nationale Normale rückführbar sind. Ihr Status muss erkennbar sein, sie müssen vor Verstellung und Beschädigung geschützt werden, und stellt sich ein Messmittel als ungeeignet heraus, ist zu bewerten, ob frühere Ergebnisse betroffen sind. Eine Akkreditierung des Kalibrierlabors schreibt ISO 9001 nicht ausdrücklich vor — sie ist aber der einfachste Weg, die Rückführung nachzuweisen.

IATF 16949 geht weiter. Sie verlangt dokumentierte Prüfmittelüberwachung mit Kalibrierhistorie und Maßnahmen bei Abweichungen. Externe Labore, die Kalibrierungen für den Betrieb ausführen, sollen nach ISO/IEC 17025 akkreditiert sein, und die beauftragte Kalibrierung muss im Akkreditierungsumfang liegen. Ausnahmen sieht die Norm nur für Fälle vor, in denen kein akkreditiertes Labor verfügbar ist; dann muss nachgewiesen werden, dass das Labor die Anforderungen anderweitig erfüllt.

Ein Hinweis zur Praxis: Viele Auditoren lesen bei der Prüfmittelüberwachung zuerst den Schein — Akkreditierungssymbol, Registrierungsnummer, Messunsicherheit. Fehlt eines davon, folgt die Rückfrage, wie die Rückführung belegt ist.

Das Kalibrierintervall begründet festlegen

Das Intervall legt der Betreiber fest, nicht das Kalibrierlabor. Eine DAkkS-Kalibrierstelle darf im Schein nach DIN ISO/IEC 17025 keine Empfehlung zum Intervall geben, sofern das nicht mit dem Kunden vereinbart ist. In der Praxis sind 12 Monate ein verbreiteter Startwert; wichtiger als der Wert ist, dass er begründet und überprüft wird.

Die Leitlinie ILAC-G24 / OIML D 10 nennt die Kriterien für das erste Intervall: geforderte Messunsicherheit, Gerätetyp, Risiko einer Grenzwertüberschreitung, Herstellerempfehlung, Verschleiß und Drift, Nutzungsintensität, Umgebungsbedingungen, Ergebnisse von Zwischenprüfungen und Transport. Anschließend wird das Intervall anhand der Kalibrierhistorie angepasst — etwa nach dem Treppenverfahren: Lag das Gerät bei der letzten Kalibrierung sicher in der Toleranz, wird verlängert, lag es außerhalb, verkürzt.

Was Kneissl dazu beiträgt: Wir kalibrieren DAkkS-akkreditiert vor Ort, liefern den Schein innerhalb von 7 Arbeitstagen mit Messunsicherheit und erinnern vor Ablauf des nächsten Zyklus. Die Kalibrierhistorie, die so entsteht, ist die Grundlage für jede Intervallentscheidung.

DAkkS-Kalibrierung bei Kneissl Messtechnik

Kneissl Messtechnik ist seit 2006 nach DIN ISO/IEC 17025 akkreditiert; die aktuelle Anlage D-K-15098-01-01 gilt seit dem 27.04.2026. Sie umfasst die Vor-Ort-Kalibrierung von Koordinatenmessgeräten mit optischer Antastung (Messprojektoren und Messmikroskope) bis 600 mm Raumdiagonale und mit taktiler Antastung bis 939 mm Raumdiagonale. Urkunde und Registrierungsnummer finden Sie auf der Seite Akkreditierung von Kneissl Messtechnik.

Wir kalibrieren dort, wo Ihre Geräte stehen — ohne Transport und ohne Aus- und Einbau. Eine Übersicht aller Gerätetypen bietet die Vor-Ort-Kalibrierung; für Profilprojektoren gibt es eine eigene Seite zur Kalibrierung von Profilprojektoren. Wie eine Kalibrierung an einem KMG abläuft, beschreibt der Ratgeber Koordinatenmessmaschine kalibrieren. Für Rückfragen zu Ihrem Prüfmittelbestand erreichen Sie uns über das Kontaktformular.

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