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MetLogix Mx200 Messrechner mit Touchscreen und Tastenfeld

Koordinatenmesstechnik

Messmaschine nachrüsten oder neu kaufen? Retrofit von Steuerung, Software und Tastsystem im Vergleich

Wer eine ältere Messmaschine nachrüsten möchte, steht vor einer Abwägung: Lohnt sich ein Retrofit von Steuerung, Software, Tastsystem oder Antrieben – oder ist ein Neukauf die bessere Investition? Dieser Ratgeber zeigt für Koordinatenmessmaschinen (KMG), Profilprojektoren und Messmikroskope, woran Sie die Entscheidung festmachen: am Zustand von Granit, Führungen und Maßstäben, an der Ersatzteillage, an abgekündigten Betriebssystemen, an Kosten und Ausfallzeit, an der Re-Kalibrierung nach DIN EN ISO 10360 sowie an Restwert und Nachhaltigkeit. Am Ende steht eine Entscheidungsmatrix, mit der Sie Ihr Gerät selbst einordnen können.

Adrian Awad, CSO — Vertrieb & Strategie · Kneissl Messtechnik GmbH · Stand

Messmaschine nachrüsten: Was ist ein Retrofit überhaupt?

Eine Messmaschine nachrüsten heißt, die mechanische Grundstruktur eines Messgeräts zu behalten und die Teile zu erneuern, die schneller altern als der Rest. Bei einer Koordinatenmessmaschine sind das typischerweise Steuerung, Messrechner-PC, Messsoftware, Tastkopf und Tastsystem, manchmal auch Antriebe, Verkabelung und Längenmesssysteme. Bei Profilprojektoren und Messmikroskopen ist es meist die Zählanzeige oder der Messrechner, ergänzt um Kantenerkennung oder Kamera.

Die Logik dahinter: Granitbett, Brücke, Führungen und Optik sind auf Jahrzehnte ausgelegt, Elektronik und Software nicht. Renishaw beschreibt das in seiner Retrofit-Übersicht so, dass die Struktur eines KMG meist viele Jahre brauchbar bleibt, während Software, Steuerung und Sensorik veralten. Ein Retrofit setzt genau an dieser Lücke an.

Wichtig ist die Abgrenzung zu anderen Maßnahmen. Eine reine Reparatur stellt den alten Zustand wieder her. Ein Software-Update bleibt innerhalb der vorhandenen Hardware. Ein Retrofit ändert dagegen die Systemarchitektur – neue Steuerung, neue Software, neues Tastsystem – und macht deshalb eine neue Annahme- oder Bestätigungsprüfung der Genauigkeit nötig (dazu weiter unten).

  • Steuerung (Controller) und Antriebselektronik: häufigster Anlass, weil Ersatzteile auslaufen
  • Messsoftware und Mess-PC: oft wegen abgekündigter Betriebssysteme
  • Tastkopf und Tastsystem: etwa vom starren Taster zum motorischen Dreh-Schwenk-Kopf oder zum Scanning-Taster
  • Längenmesssysteme (Maßstäbe) und Leseköpfe: bei Defekt oder wenn die alte Auswertung nicht mehr unterstützt wird
  • Bei Profilprojektoren und Messmikroskopen: Zählanzeige oder Messrechner, Kantenerkennung, Kamera und PC-Messsoftware

Wie prüfe ich, ob die Mechanik ein Retrofit noch trägt?

Die wichtigste Frage zuerst: Ein Retrofit macht aus einer mechanisch verschlissenen Maschine keine genaue Maschine. Neue Elektronik kann geometrische Fehler zwar teilweise softwareseitig korrigieren, aber nur, wenn diese Fehler stabil und reproduzierbar sind. Wackelnde Lager, beschädigte Führungsbahnen oder ein verzogener Tisch lassen sich nicht wegrechnen.

Seriöse Anbieter beginnen deshalb mit einer Bestandsaufnahme. Renishaw beschreibt für sein Retrofit-Programm eine Begutachtung der mechanischen und elektrischen Komponenten vor Beginn der Arbeiten; ein dokumentierter Fall aus den USA zeigt, dass dabei auch größere mechanische Nacharbeit herauskommen kann – dort wurden Maßstäbe getauscht und die Basis nachbearbeitet (Quality Digest). Rechnen Sie also damit, dass eine Bestandsaufnahme auch zu dem Ergebnis kommen kann, dass sich ein Retrofit nicht lohnt.

Prüfen bzw. prüfen lassen sollten Sie vor allem die folgenden Punkte. Die Liste deckt sich weitgehend mit dem, worauf Sie auch beim Kauf einer gebrauchten Maschine achten – siehe unsere Checkliste für gebrauchte Koordinatenmessmaschinen.

  • Granit und Tisch: Risse, Ausbrüche, Spuren von Kollisionen, gelöste Gewindeeinsätze
  • Luftlager und Führungen: Riefen auf den Lagerflächen, gleichmäßiges Schwimmen, Druckluftqualität (Öl, Wasser, Partikel)
  • Maßstäbe und Leseköpfe: Verschmutzung, Kratzer, Fehlermeldungen beim Referenzieren
  • Antriebe: Rucken, Geräusche, Spiel in Riemen oder Reibrädern
  • Historie: letzte Kalibrierscheine, Verlauf der Längenmessabweichung über die Jahre, Kollisionen, Umzüge
  • Umgebung: Temperaturstabilität des Messraums – eine neue Steuerung ändert nichts an thermischen Einflüssen
Koordinatenmessmaschine Mitutoyo Crysta-Apex in Portalbauweise
Koordinatenmessmaschine in Portalbauweise mit Granittisch

Ersatzteile und Software-Abkündigung: Wann wird es kritisch?

In der Praxis ist selten die Genauigkeit der Auslöser, sondern ein Ausfall. Eine Steuerungsplatine fällt aus, der Hersteller liefert sie nicht mehr, und der Gebrauchtmarkt gibt nichts her. Ein dokumentierter Fall aus Serbien beschreibt genau das: Die Originalsteuerung einer Wenzel-KMG wurde unzuverlässig, die Software passte nicht mehr zur IT des Unternehmens; ersetzt wurde nur die Steuerung, die Maschine blieb (Metrology and Quality News).

Der zweite typische Auslöser ist das Betriebssystem des Mess-PCs. Viele Messsoftware-Versionen älterer Maschinen laufen nur unter Windows XP oder Windows 7. Microsoft hat den erweiterten Support für Windows XP im April 2014 und für Windows 7 im Januar 2020 beendet; kostenpflichtige Sicherheitsupdates (ESU) für Windows 7 liefen im Januar 2023 aus. Für Windows 10 endete der reguläre Support am 14. Oktober 2025.

Ein Mess-PC ohne Sicherheitsupdates ist im Firmennetz ein Risiko. Viele Betriebe trennen solche Rechner deshalb vom Netz – und verlieren damit genau das, was moderne Qualitätssicherung braucht: Messprogramme und Berichte zentral ablegen, Daten an CAQ-Systeme übergeben. Eine vom Netz getrennte Insel ist eine Übergangslösung, kein Dauerzustand.

Für Messgeräte-PCs gibt es Sonderfälle: Windows-Varianten mit langem Lebenszyklus (etwa Windows 10 IoT Enterprise LTSC 2021, erweiterter Support laut Microsoft bis Januar 2032) werden von manchen Geräteherstellern eingesetzt. Ob Ihre Messsoftware darauf freigegeben ist, entscheidet allein der Softwarehersteller – fragen Sie konkret nach, bevor Sie planen.

  • Läuft die Messsoftware noch auf einem unterstützten Betriebssystem?
  • Liefert der Hersteller noch Steuerungs- und Antriebsersatzteile – und wie lange?
  • Gibt es noch Software-Wartung oder Updates für Ihre Version?
  • Lassen sich vorhandene Messprogramme übernehmen oder müssen sie neu geschrieben werden?
  • Wie lange stünde die Maschine bei einem Elektronikdefekt heute still?

Retrofit an der Koordinatenmessmaschine: Was ist möglich?

Für KMG gibt es grob drei Wege. Erstens das Hersteller-Retrofit: Der ursprüngliche Hersteller bringt seine eigene Maschine auf einen aktuellen Stand. Zeiss etwa beschreibt auf seiner Retrofit-Seite gestufte Pakete, die je nach Baujahr Firmware, Steuerung (Typ C99) und Software-Stand betreffen; Pakete gibt es dort für Geräte ab Baujahr 2000 bzw. 2010. Vorteil: Die Maschine bleibt im Ökosystem des Herstellers, inklusive Service und Software-Wartung.

Zweitens das herstellerunabhängige Retrofit mit einer offenen Steuerung. Renishaw bietet nach eigenen Angaben ein Paket aus UCC-Steuerung, MODUS-Software und Tastsystemen an, das sich auf KMG verschiedener Marken nachrüsten lässt (Renishaw). Auch Hersteller wie LK bauen ältere eigene Maschinen auf neue Steuerungen um – ein britischer Anwender hat zwei LK-Maschinen der Baujahre 1997 und 2007 mit neuen Controllern und motorischen Tastköpfen ausgerüstet (Manufacturing Tomorrow).

Drittens das Teil-Retrofit: nur ein neues Tastsystem, nur neue Software, nur ein neuer Mess-PC. Das ist am günstigsten, setzt aber voraus, dass Steuerung und Antriebe noch lange tragfähig sind. Ein typisches Beispiel ist der Wechsel von schaltenden Tastern wie dem TP20 zu einem Scanning-Taster wie dem SP25M – das setzt allerdings eine Steuerung voraus, die Scanning unterstützt.

Angaben zur Zeitersparnis nach einem Retrofit stammen fast immer von Anbietern selbst und beziehen sich auf günstige Einzelfälle. Lassen Sie sich die erwartete Taktzeit für Ihre eigenen Teile vorrechnen oder an einem Musterteil zeigen, statt mit Faktoren aus Prospekten zu planen.

Profilprojektor und Messmikroskop nachrüsten: MetLogix als Beispiel

Bei Profilprojektoren und Messmikroskopen ist die Lage oft eindeutiger als beim KMG. Optik, Tisch und Messachsen mit ihren Glasmaßstäben halten bei pfleglicher Behandlung sehr lange; was veraltet, sind Zählanzeige und Auswertung. Ein Gerät, das nur Koordinaten anzeigt, zwingt den Bediener, Kreise, Abstände und Winkel von Hand zu rechnen und Ergebnisse abzuschreiben.

Hier setzen Messrechner und PC-Messsoftware an, die direkt an die vorhandenen Messsysteme angeschlossen werden. Wir setzen dafür MetLogix ein: Die einfache Positionsanzeige Mx100 ersetzt eine defekte oder veraltete Zählanzeige. Der Messrechner Mx200 misst Merkmale per optischer Kantenerkennung oder Fadenkreuz, prüft Toleranzen und gibt Berichte aus. Die Software M2 bringt das Gerät auf PC-gestützte Auswertung unter Windows, und M3 kombiniert Video-, optische und taktile Messung für Multisensorgeräte.

Ob ein Gerät nachrüstbar ist, hängt vor allem an den vorhandenen Messsystemen: Signalart und Auflösung der Maßstäbe, Zustand der Leseköpfe und, bei Kantenerkennung, ein geeigneter Lichtleiteranschluss oder eine Kamera. MetLogix nennt auf der Herstellerseite Profilprojektoren und Messmikroskope ausdrücklich als Einsatzfeld, aber keine Kompatibilitätsliste nach Modell – das klären wir in der Bestandsaufnahme am konkreten Gerät.

Grundlagen zu beiden Gerätetypen finden Sie in unseren Ratgebern zum Profilprojektor und zum Messmikroskop.

Rückseite des MetLogix Mx200 mit Anschlüssen
Rückseite des Mx200 mit den Anschlüssen
Bildschirm der MetLogix-M3-Software mit 3D-Ansicht einer Tastermessung
MetLogix M3: Bildschirmansicht einer Tastermessung

Was kostet ein Retrofit im Vergleich zum Neukauf – und wie lange steht die Maschine?

Feste Preise lassen sich seriös nicht nennen, weil der Umfang von einer neuen Zählanzeige bis zum kompletten Umbau mit Steuerung, Antrieben und Tastkopf reicht. Als Orientierung: Zeiss gibt für seine Retrofit-Pakete an, dass sie nicht mehr als ein Drittel einer Neumaschine kosten (Zeiss). Das ist eine Herstellerangabe für eigene Maschinen, keine allgemeine Regel – bei mechanischer Nacharbeit oder einem umfangreichen Programmumbau kann es mehr werden.

Am unteren Ende stehen Profilprojektoren und Messmikroskope: Ein Messrechner kostet in aller Regel nur einen Bruchteil eines neuen Geräts gleicher Messbereichsgröße. Konkrete Zahlen erhalten Sie von uns nach der Bestandsaufnahme; Schätzungen ohne Kenntnis des Geräts wären unseriös.

Zu den Kosten gehören nicht nur Hardware und Montage. Planen Sie auch ein: Schulung, Anpassung oder Neuerstellung von Messprogrammen, Abnahme- bzw. Bestätigungsprüfung, gegebenenfalls Re-Validierung von Prüfprozessen (Messsystemanalyse) und die Ausfallzeit selbst. Bei einem Neukauf kommen Transport, Aufstellung, eventuell ein neues Fundament, Einarbeitung und die Programm-Migration hinzu.

Bei der Ausfallzeit hat das Retrofit oft einen Vorteil: Die Maschine bleibt am Platz, Fundament und Messraum bleiben unverändert. Die Dauer hängt am Umfang – vom Austausch eines Messrechners an einem Tag bis zu mehreren Wochen bei einem KMG-Umbau mit Programmumstellung. Fragen Sie nach einem verbindlichen Zeitplan und klären Sie, wie Sie in dieser Zeit messen (Ausweichmaschine, Lohnmessung).

Kostenblöcke bei Retrofit und Neukauf (qualitativ, ohne Preisangaben)
KostenblockRetrofitNeukauf
HardwareSteuerung, PC, Software, ggf. Tastsystem/AntriebeKomplette Maschine
Mechanische NacharbeitMöglich, abhängig vom ZustandEntfällt
AufstellungMaschine bleibt am PlatzTransport, Einbringung, ggf. Fundament
MessprogrammeÜbernahme oder Umstellung, je nach SoftwareNeuerstellung oder Konvertierung
SchulungGering, wenn Software bleibt; sonst wie NeukaufVollständige Einarbeitung
Prüfung nach ISO 10360Bestätigungsprüfung nach dem UmbauAnnahmeprüfung bei Aufstellung
AltgerätBleibt im EinsatzVerkauf, Inzahlungnahme oder Entsorgung

Re-Kalibrierung nach DIN EN ISO 10360: Was nach dem Umbau Pflicht ist

Nach einem Retrofit ist die bisherige Genauigkeitsangabe der Maschine nicht mehr belegt – die Systemkomponenten, auf die sie sich bezog, sind andere. Die Leistungsfähigkeit muss neu nachgewiesen werden. Den Rahmen dafür setzt die Normenreihe DIN EN ISO 10360. Teil 2 beschreibt die Annahmeprüfung, mit der die vom Hersteller angegebene Längenmessabweichung bestätigt wird, und die Bestätigungsprüfung, mit der der Anwender sie in der Folge erneut überprüft (DIN Media). Die Antastabweichung des Tastsystems behandelt Teil 5 (ISO 10360-5:2020); für Bildverarbeitungssensoren gibt die VDI/VDE 2617 Blatt 6.1 Hinweise zur Anwendung.

Bei einem herstellerunabhängigen Retrofit stellt sich eine Frage, die Sie vorab klären müssen: Welche Spezifikation gilt danach? Die ursprüngliche Herstellerangabe bezieht sich auf das Originalsystem. Der Retrofit-Anbieter sollte schriftlich zusagen, welche Grenzwerte (zum Beispiel für die Längenmessabweichung E) die umgebaute Maschine erreicht – nur dann haben Sie einen Maßstab für die Prüfung.

Für den Nachweis gegenüber Kunden und Auditoren ist eine DAkkS-akkreditierte Kalibrierung nach DIN EN ISO/IEC 17025 der belastbarste Weg (DAkkS). Wie die Prüfung einer KMG abläuft und welche Kenngrößen im Kalibrierschein stehen, erklärt unser Ratgeber Koordinatenmessmaschine kalibrieren. Wir kalibrieren Messgeräte auch vor Ort, also dort, wo die nachgerüstete Maschine steht.

Profilprojektoren und Messmikroskope werden nach einer Nachrüstung ebenfalls neu kalibriert. Der Messrechner bringt zwar Korrekturen wie lineare oder segmentierte Fehlerkorrektur mit, doch diese müssen an Normalen ermittelt und eingetragen werden – das ist Teil der Inbetriebnahme, nicht der Werkseinstellung.

Restwert, Abschreibung und Nachhaltigkeit

Bilanziell ist eine ältere Messmaschine oft längst abgeschrieben; für Messgeräte wird in der amtlichen AfA-Tabelle eine Nutzungsdauer von zehn Jahren angesetzt (zusammengefasst etwa bei sevdesk). Ein Retrofit kann je nach Umfang als nachträgliche Herstellungskosten aktiviert werden oder als Erhaltungsaufwand sofort abzugsfähig sein – das klären Sie mit Ihrer Steuerberatung, nicht mit dem Lieferanten.

Der Marktwert einer Altmaschine hängt stark an Marke, Zustand, Steuerung und Software. Eine Maschine mit aktueller Steuerung und unterstützter Software lässt sich später leichter verkaufen als eine mit abgekündigter Elektronik. Wenn Sie neu kaufen, sollten Sie den Restwert der Altmaschine von Anfang an einrechnen – wir bewerten und kaufen Messmaschinen an, siehe Messmaschine verkaufen. Geräte ohne Marktwert nehmen wir über die Rücknahme von Altgeräten zurück; für gewerblich genutzte Elektrogeräte regelt § 19 ElektroG die Rücknahme durch den Hersteller (Gesetze im Internet, Erläuterung beim Umweltpakt Bayern).

Ökologisch spricht viel für das Weiternutzen: Granitbett, Gussteile und Optik machen den Großteil von Masse und Herstellungsaufwand einer Messmaschine aus und bleiben beim Retrofit erhalten. Belastbare Ökobilanzen speziell für Messmaschinen-Retrofits haben wir nicht gefunden; das Kompetenzzentrum Ressourceneffizienz des VDI dokumentiert aber für Remanufacturing allgemein, dass das Weiterverwenden von Bauteilen Material und Energie spart. Zeiss nennt für ein eigenes Retrofit-Paket einen halbierten Energieverbrauch gegenüber dem Ausgangszustand – auch das eine Herstellerangabe für einen konkreten Maschinentyp.

Wann ist ein Neukauf die bessere Wahl?

Ein Retrofit ist kein Selbstzweck. Es gibt klare Fälle, in denen eine neue oder eine geprüfte gebrauchte Maschine die bessere Entscheidung ist:

Ein Mittelweg ist die gebrauchte Maschine mit aktueller Steuerung: Sie bekommen eine Struktur, deren Verhalten bekannt ist, ohne den vollen Neupreis zu zahlen. Unsere geprüften gebrauchten Koordinatenmessmaschinen sind dafür ein Ausgangspunkt; für optische Messaufgaben finden Sie Neugeräte unter Neue Messtechnik, etwa den Profilprojektor Nikon V-12B.

  • Die Mechanik ist verschlissen oder beschädigt: Risse im Granit, beschädigte Luftlager, Kollisionsschäden
  • Die Messaufgabe hat sich geändert: größeres Messvolumen, engere Toleranzen als die Maschine je erreicht hat, neue Sensoren, die mechanisch nicht passen
  • Der Messraum soll ohnehin umgebaut oder verlegt werden
  • Für die Maschine gibt es keinen Retrofit-Anbieter, der eine verbindliche Spezifikation zusagt
  • Retrofit-Kosten nähern sich dem Preis einer gleichwertigen Neu- oder Gebrauchtmaschine
  • Sie brauchen eine Neuspezifikation des Herstellers, etwa wegen Kundenvorgaben

Entscheidungsmatrix: Nachrüsten oder neu kaufen?

Die folgende Matrix fasst die Kriterien zusammen. Sie ersetzt keine Bestandsaufnahme am Gerät, hilft aber, Ihr Gerät grob einzuordnen. Je mehr Zeilen in die Spalte „Retrofit“ fallen, desto eher lohnt sich das Nachrüsten.

Entscheidungsmatrix Retrofit vs. Neukauf
KriteriumSpricht für RetrofitSpricht für Neukauf
Mechanik (Granit, Führungen, Lager)Intakt, keine Kollisionsschäden, stabile Kalibrierwerte über JahreRisse, Riefen, instabile oder sich verschlechternde Werte
Maßstäbe und LeseköpfeIntakt und kompatibel mit neuer AuswertungDefekt, nicht mehr lieferbar, inkompatibel
Steuerung und AntriebeVeraltet oder Ersatzteile auslaufend – genau das ist der Retrofit-FallAntriebsmechanik verschlissen, Austausch unwirtschaftlich
Software und BetriebssystemNur die Software ist veraltet, Programme lassen sich übernehmenNeue Software nötig und Programme müssen ohnehin neu erstellt werden
MessaufgabeUnverändert, Messvolumen und Genauigkeit reichenGrößeres Volumen, engere Toleranzen, neue Sensorik
AusfallzeitKurze Unterbrechung am bestehenden Platz tragbarParallelbetrieb mit neuer Maschine gewünscht
BudgetDeutlich unter dem Preis einer gleichwertigen MaschineRetrofit-Angebot nähert sich dem Neu- oder Gebrauchtpreis
Restwert AltgerätGering – Weiternutzen bringt mehr als VerkaufenGut verkäuflich, Erlös senkt die Investition

So gehen Sie vor: in fünf Schritten zur Entscheidung

Bevor Sie Angebote vergleichen, sollten Sie die Ausgangslage schriftlich festhalten. Das spart Zeit und macht Angebote vergleichbar.

Wenn Sie unsicher sind, ob Ihr Profilprojektor oder Messmikroskop nachrüstbar ist, senden Sie uns Hersteller, Modell, Fotos des Typenschilds und der Anschlüsse sowie Ihre Messaufgabe über das Kontaktformular.

  • Bestand aufnehmen: Hersteller, Modell, Baujahr, Steuerung, Software-Version, Betriebssystem, Tastsystem, letzte Kalibrierscheine
  • Messaufgabe prüfen: Reichen Messvolumen, Genauigkeit und Sensorik auch für die nächsten Jahre?
  • Mechanik begutachten lassen: Granit, Lager, Führungen, Maßstäbe – idealerweise mit einer Bestätigungsprüfung nach DIN EN ISO 10360
  • Angebote einholen: Retrofit mit schriftlich zugesagter Spezifikation, Zeitplan und Programmübernahme; parallel Neu- oder Gebrauchtmaschine
  • Gesamtkosten vergleichen: inklusive Ausfallzeit, Schulung, Programmumstellung, Kalibrierung und Restwert des Altgeräts

Quellen

Häufige Fragen

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